Wer gerade ins Berufsleben einsteigt und ins Projektmanagement will, spürt es auf dem Jobmarkt: Es gibt deutlich weniger Einstiegsstellen als noch vor ein paar Jahren. Wie drastisch der Rückgang ist, zeigt eine Analyse der Jobplattform Stepstone, die in Deutschland über vier Millionen Stellenanzeigen aus den Jahren 2020 bis 2025 ausgewertet hat.
Im ersten Quartal 2025 lag der Anteil ausgeschriebener Einstiegsjobs 45 Prozent unter dem Durchschnitt der betrachteten fünf Jahre – und damit auf dem absoluten Tiefpunkt. Selbst in den ersten Corona-Monaten war die Lage besser.
Aber was steckt dahinter – und was bedeutet das konkret für den Karriereeinstieg?
KI übernimmt die Fleißarbeit
Der Rückgang hat einen klaren Grund: Künstliche Intelligenz übernimmt zunehmend genau jene Aufgaben, die traditionell von Berufseinsteigern erledigt wurden: administrative Tätigkeiten, das Aktualisieren von Projektplänen, Reportings und die Weitergabe von Daten.
Wie das Handelsblatt berichtet, nutzen vor allem Softwareentwickler, Juristen und Berater immer mehr KI für Aufgaben, die früher Jobeinsteiger erledigt haben.
Stepstone-CEO Sebastian Dettmers warnt denn auch vor der „Abschaffung von Einstiegsjobs“ für Hochschulabsolventen und nennt als Beleg den Rückgang klassischer Bürojobs seit dem Start von ChatGPT und Co: Vertrieb minus 56 Prozent, Personalwesen minus 30 Prozent, Recht minus 30 Prozent.
Wie weit das gehen kann, zeigt eine vielzitierte Prognose des US-Beratungsunternehmens Gartner: Bis 2030 soll KI 80 Prozent der Projektmanagementaufgaben übernehmen – insbesondere Datenerfassung, Nachverfolgung und Berichterstattung. Das klingt drastisch, ist aber differenziert zu lesen: Es geht um Routineaufgaben, nicht um die Rolle als solche.
Der gesamtgesellschaftliche Trend zeigt in dieselbe Richtung. Laut dem Future of Jobs Report 2025 des Weltwirtschaftsforums, der auf Daten von über 1.000 Arbeitgebern weltweit basiert, planen 41 Prozent der Arbeitgeber, ihre Belegschaft zu reduzieren, da KI bestimmte Aufgaben automatisiert. Entry-Level-Positionen, die vor allem auf Routinearbeit ausgelegt sind, sind davon besonders betroffen.
Was Unternehmen stattdessen suchen
Die Schere öffnet sich: Klassische Juniorstellen fallen weg, gleichzeitig steigt die Nachfrage nach erfahrenen Projekt- und Portfoliomanagern, die komplexe Projekte steuern können, während KI die operativen Routineaufgaben übernimmt.
Führungskompetenz, Kommunikationsstärke, methodische Tiefe sind Fähigkeiten, die kein Algorithmus in absehbarer Zeit ersetzt. Für Berufseinsteiger bedeutet das: Der Einstieg über klassische Sachbearbeiter-Aufgaben funktioniert immer seltener.
Das bestätigt auch Marc-David Rompf, Berater für Führungskräfte mit Technologieexpertise. Wie das Handelsblatt berichtet, empfiehlt er Unternehmen, sich bei IT-Stellen von klassischen Profilen zu lösen und Einsteiger stärker im Job auszubilden, mit dem Fokus darauf, individuelle Stärken zu erkennen und Stellen entsprechend zuzuschneiden.
Für Juniorberater zieht er eine klare Konsequenz: Wenn KI Datenanalysen übernimmt, sollten sich junge Berater darin schulen, komplexe Ergebnisse anschaulich zu visualisieren und zu kommunizieren.
Der neue Einstieg: Spezialisierung statt Generalist
Wer als Einsteiger punkten will, braucht mehr als Grundkenntnisse in Projektmanagement-Methoden. Gefragt sind ein sicherer Umgang mit KI-gestützten Tools, ein Verständnis für Datenqualität und -struktur sowie die Fähigkeit, in kollaborativen, oft unternehmensübergreifenden Projekten zu arbeiten. Zertifizierungen wie PMP oder PRINCE2 sind längst keine Kür mehr, sondern Voraussetzung.
Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktexperte bei The Stepstone Group, bringt es auf den Punkt: „Unternehmen stehen vor der Herausforderung, junge Talente gezielt auf den Arbeitsmarkt von morgen vorzubereiten. Das erfordert neue Kompetenzprofile für die Ausbildung, etwa die Fähigkeit, mit KI-Tools zu arbeiten, sich in digitalen Umfeldern zurechtzufinden oder souverän mit Veränderungen umzugehen.“
Gerade in Beratungshäusern, die für ihre Kunden digitale Transformationsprojekte begleiten, verändert sich das Anforderungsprofil besonders schnell. Hier zählt nicht mehr nur methodisches Handwerk, sondern die Fähigkeit, zwischen Technologie und Mensch zu vermitteln.
Recruiting-Experte Rompf sieht Kommunikationsfähigkeit und Empathie als die entscheidenden Qualitäten für junge Berater: Strategien, Analysen und Präsentationen können schneller mit KI entwickelt werden, „aber wenn es darum geht, eine Strategie umzusetzen, braucht man die Menschen.“
Projektmanager selbst sehen KI laut einer globalen IPMA-Studie klar als Unterstützung, nicht als Ersatz: Nur 3 Prozent halten einen vollständigen KI-Ersatz für realistisch. Stattdessen erwarten 52 Prozent KI als digitalen Assistenten, 44 Prozent als beratende Instanz.
Wer diesen Spagat beherrscht – technologisches Verständnis kombiniert mit echtem Projekturteil – ist in der Beratung derzeit gefragter denn je.
Bei Verve Consulting haben wir eine eigene Schulungsplattform aufgebaut, die unter anderem eine umfassende und detaillierte KI-Schulung umfasst.