Die Zukunft der IT-Beratung: So verändert KI das Arbeiten

KI in der IT-Beratung

Die IT-Beratung befindet sich im Umbruch. Neue Technologien, allen voran Künstliche Intelligenz, verändern nicht nur Werkzeuge und Methoden, sondern auch die Anforderungen an Beraterinnen und Berater selbst.

Projekte unterscheiden sich heute stärker als noch vor wenigen Jahren – nicht zuletzt, weil Unternehmen technologisch immer weiter auseinanderdriften. Manche sind schon wie fortgeschritten in der Nutzung von KI, andere stehen noch am Anfang.

Severin Seifert, Berater bei Verve Consulting, erlebt diese Entwicklung unmittelbar. Der Einsatz von KI sei inzwischen ein großes Thema, auch im Testumfeld. „Neben den schon bekannten Testautomatisierungs-Möglichkeiten ist es auch einfacher geworden, diese aufzusetzen oder zu schreiben“, sagt er.

Gleichzeitig gebe es insbesondere in großen Unternehmen, etwa bei Banken oder Versicherungen, erhebliche Einschränkungen. Strenge Sicherheitsvorgaben verhinderten dort häufig den Einsatz moderner KI-Technologien.

Der technologische Standard sei von Projekt zu Projekt sehr unterschiedlich. „Diese Schere ist meiner Meinung nach weiter auseinandergegangen“, sagt der Berater. Genau das mache Projekte heute spannender und abwechslungsreicher.

KI zwischen Potenzial und Realität

Künstliche Intelligenz und Automatisierung sind in vielen Projekten bereits fester Bestandteil der Arbeit. Bei Verve Consulting werden sie gezielt eingesetzt.  So werden beispielsweise eigene Large Language Models aufgebaut, um Projektsicherheit nicht zu gefährden. Automatisierung sei ebenfalls gut vertreten und werde in Zukunft weiterwachsen, davon ist Severin überzeugt.

Voraussetzung sei jedoch, dass entsprechende Expertise breiter verfügbar und besser skalierbar werde. Die eigentliche Aufgabe von KI und Automatisierung sieht er darin, bestehende Prozesse grundsätzlich zu hinterfragen und aufzubrechen.

Auch Anita Gruschka, Beraterin bei Verve Consulting, beschreibt KI als Treiber neuer Anforderungen. Der Markt verändere sich stetig: Mal würden mehr Senior-, mal mehr Juniorprofile gesucht, mal stehe tiefes Fachwissen im Vordergrund, mal Tool-Kompetenz.

Mit dem Aufkommen von KI entstehe darüber hinaus neuer Bedarf, der zuvor kaum absehbar gewesen sei. Unternehmen stellten sich Fragen wie: Wie können wir KI sinnvoll nutzen? Wie bleiben unsere Daten sicher? Und wie setzen wir regulatorische Vorgaben wie den AI Act um? „Genau hier kommt dann der IT-Berater ins Spiel“, sagt die Beraterin.

Zugleich warnt sie vor einem unkritischen Umgang mit der Technologie. Für viele sei KI aus dem Alltag kaum noch wegzudenken, ihre Risiken seien jedoch weniger bekannt.

„Eine KI kann zum Beispiel halluzinieren“, sagt sie, also Inhalte liefern, die faktisch falsch sind. Ursache sei unter anderem, dass KI-Systeme darauf ausgelegt seien, Menschen zufriedenzustellen – selbst dann, wenn sie eigentlich keine gesicherten Informationen haben. Umso wichtiger werde ein verantwortungsvoller Umgang mit KI, auch mit Blick auf die kommenden Jahre.

Konkreter Einsatz der KI im Projektalltag

Bei Verve wird KI derzeit vor allem als unterstützendes Werkzeug genutzt. Anita beschreibt sie als „kleinen Helfer“,, der insbesondere zur eigenen Weiterentwicklung eingesetzt wird.

KI kommt unter anderem als Bewerbungs- oder Rollencoach zum Einsatz, zudem wurden Tests mit Lösungen wie Microsoft Copilot durchgeführt. Ziel sei weniger Automatisierung um jeden Preis als vielmehr Unterstützung beim Lernen und Trainieren.

Gleichzeitig sieht die Beraterin noch Grenzen in der aktuellen Marktreife vieler Lösungen. KI müsse mit Daten gefüttert werden, um sinnvoll eingesetzt werden zu können. Um sie in einem Unternehmensumfeld so zu integrieren, dass sie unternehmensspezifisch antworten oder Wissen gezielt abrufen kann, brauche es Zeit.

Entsprechende Lösungen seien zwar zunehmend verfügbar, aber oft noch schwer zu bekommen oder teuer. Dennoch sieht sie hier großes Potenzial: „KI wird sich rasant weiterentwickeln“, sagt sie, und sie sei gespannt auf die kommenden Jahre.

Auch im persönlichen Arbeitsalltag spielt KI eine Rolle – abhängig vom Projekt. Anita berichtet, dass sie aktuell intensiv mit Googles KI-Lösung Gemini arbeitet.

In einem Projekt schreibt sie Auswertungsskripte, ein Themenfeld, mit dem sie zuvor kaum Erfahrung hatte. Gemini nutzt sie dabei als Wissensquelle für ihre Programmierung. „Gemini ist in dem Punkt für mich ein Lehrer, der immer da ist und nie genervt“, sagt sie.

Weiterbildung als zentrale Voraussetzung

Angesichts der Dynamik technologischer Entwicklungen kommt der Weiterbildung eine zentrale Bedeutung zu. Bei Verve Consulting wird dies strukturell unterstützt.

Severin verweist darauf, dass sich interne Projekte und Prozesse gezielt mit neuen Technologien auseinandersetzen und diese auch praktisch anwenden.

Begünstigt werde dies durch ein grundsätzliches Interesse vieler Beraterinnen und Berater an technologischen Themen. Ein zentraler Baustein sei zudem das Verve-interne Weiterbildungsprogramm, das es ermögliche, sich gezielt zu informieren und zertifizieren zu lassen.

Auch Anita hebt die Bedeutung strukturierter Weiterbildung hervor. Alle Berater absolvieren zunächst ein Standardset an Zertifikaten, sowohl im agilen als auch im nicht-agilen Bereich. Darüber hinaus hat Verve eine eigene Schulungsplattform aufgebaut, die unter anderem eine umfassende und detaillierte KI-Schulung umfasst.

Arbeitskultur spielt wichtige Rolle

Neben Technologie und Methodik spielt auch die Arbeitskultur eine wichtige Rolle. Für Anita ist das Arbeitsumfeld bei Verve ein entscheidender Faktor – insbesondere, weil sie nahezu vollständig im Homeoffice arbeitet. Gerade dort bestehe die Gefahr, den Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen zu verlieren.

Bei Verve sei das nicht der Fall. Der regelmäßige Austausch, etwa durch virtuelle Mittagspausen oder Formate wie einen Buchclub, halte das Team auch über Distanz zusammen.

Die Zukunft der IT-Beratung ist damit von mehreren Entwicklungen geprägt: stark unterschiedlichen technologischen Ausgangslagen in Projekten, dem wachsenden Einsatz von KI und Automatisierung sowie dem Bedarf an kontinuierlicher Weiterbildung.

Für IT-Beraterinnen und IT-Berater bedeutet das vor allem eines: sich ständig auf neue technologische und organisatorische Rahmenbedingungen einzustellen.

Facebook
Twitter
LinkedIn
WhatsApp

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert