Deutsche Unternehmen treiben ihre Digitalisierung voran, das Tempo bleibt aber niedrig. Das zeigt die DIHK-Digitalisierungsumfrage 2026, für die der Deutsche Industrie- und Handelskammertag knapp 5.000 Unternehmen aller Branchen befragt hat.
Beim Digitalisierungsgrad geben sich die Betriebe im Schnitt die Schulnote 2,8, genau wie im Vorjahr. Das ist zwar solide, aber solide reicht nicht, wenn Wettbewerber aus dem Ausland schneller skalieren.
Das Problem liegt selten in der Technik
Wer glaubt, digitale Transformation scheitere an fehlender Software oder zu langsamer Hardware, unterschätzt das eigentliche Problem. Laut DIHK bremsen vor allem Regulatorik, Komplexität und Verwaltungsstrukturen.
Die Unternehmen geben der öffentlichen Verwaltung bei der Digitalisierung die Note 4 minus, gerade noch ausreichend.
Hinzu kommt das Fachkräfteproblem. Der Mangel an IT-Fachkräften, veraltete Infrastrukturen und das Fehlen einer klaren Digitalisierungsstrategie zählen zu den zentralen Hemmnissen. Wer keine Strategie hat, kauft Tools, ohne zu wissen, wozu. Projekte verlieren sich in Piloten, die nie umgesetzt werden.
Eine Studie von IW Consult und dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung findet ähnliche Muster: Projekte scheitern häufig am Mangel an Zeit und Ressourcen, wobei sich die Herausforderungen je nach Branche unterscheiden.
Im Baugewerbe und Handwerk fehlt es vor allem an Zeit und Fachkräften, in der Industrie an der Fähigkeit, komplexe Prozesse zu digitalisieren.
KI ist angekommen, aber nicht überall gleich weit
Das Resumée: Künstliche Intelligenz ist im Mittelstand kein Zukunftsthema mehr. Laut DIHK-Umfrage nutzen Unternehmen generative KI vor allem zur Texterstellung, für Bilder und Code, gefolgt von Kundenansprache und Qualitätssicherung.
Über alle Branchen hinweg setzen viele Unternehmen die Technologie bereits produktiv ein, wobei der Effekt je nach Branche variiert: In der Informations- und Kommunikationsbranche sowie der Finanzwirtschaft wird der Einfluss auf die Produktivität am höchsten eingeschätzt.
Eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Grant Thornton aus dem Jahr 2025 kommt zu einem ähnlichen Bild: 75 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland geben an, dass KI ihre Unternehmensstrategie beeinflusst. Ob die Technologie im Tagesgeschäft tatsächlich schon wirksam integriert ist, zeigt die Studie nicht.
Rechtliche Unsicherheiten zählen laut DIHK zu den größten Hürden bei der Datennutzung, offene Fragen rund um den EU AI Act und interne Governance-Strukturen inklusive. Wer keine Antworten hat, wartet lieber ab.
Der Faktor Mensch bleibt der Knackpunkt
Digitale Transformation ist ein Veränderungsprojekt. Menschen müssen mitgenommen werden. Die IW-Consult-Studie zeigt: Unternehmen mit ausgeprägter Innovationskraft sind bei der Digitalisierung deutlich weiter als weniger innovative Betriebe, unabhängig von der Unternehmensgröße.
Entscheidend sind dabei der Aufbau digitaler Kompetenzen und eine gezielte Unterstützung bei der Umsetzung, oft genauso wichtig wie die Finanzierung selbst.
Das deckt sich mit dem, was Verve Consulting seit über zehn Jahren in Projekten bei Unternehmen wie Vodafone, ERGO oder Telefónica beobachtet: Die Technologie liefert die Möglichkeit, die Menschen entscheiden über den Erfolg. Wer seine Mitarbeiter nicht frühzeitig in Prozessveränderungen einbindet, verliert sie, als aktive Unterstützer und als Nutzer der neuen Systeme.
Was hilft: Nüchterne Bestandsaufnahme
Viele Mittelständler überschätzen ihren digitalen Status und unterschätzen den Aufwand. Größere Unternehmen sind deutlich weiter als kleinere, und auch innerhalb des Mittelstands klaffen die Unterschiede weit auseinander.
Der erste Schritt ist deshalb eine nüchterne Bestandsaufnahme: Wo stehen wir wirklich? Welche Prozesse funktionieren, welche blockieren uns? Welche Kompetenzen haben wir, welche fehlen? Erst danach macht eine Investitionsentscheidung Sinn.
Digitale Transformation gelingt durch Strategie, Struktur und die richtigen Menschen, die beides zusammenbringen.